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Haut

Wie Wunden zu Narben werden


von Dr. med. Christian Merkel|02.06.2022

Eine Narbe ist das Endergebnis eines natürlichen Wundheilungsprozesses. Ursache können Verletzungen, Verbrennungen, aber auch operative Eingriffe sein. Entscheidend ist dabei die Tiefe der Wunde. Narbenlos heilen nur oberflächliche Verletzungen der Epidermis ab wie beispielsweise Abschürfungen. Betrifft die Wunde hingegen auch tiefere Schichten der Haut, kommt es zur Narbenbildung.

Entwicklung von Narben

Grundsätzlich lässt sich die Wundheilung in vier Phasen aufteilen: Absonderungsphase (unmittelbar nach der Verletzung), Reinigungsphase (spezielle Fresszellen bekämpfen eingedrungene Erreger), Vermehrungsphase (Fibroblasten starten die Kollagenproduktion) sowie Reparaturphase (Granulationsgewebe reift zu Bindegewebe und Epithelzellen verschließen die Wundoberfläche). Die Heilung einer Wunde dauert circa acht bis zehn Tage. Beachtet werden muss dabei allerdings, dass das Narbengewebe einen bindegewebigen Ersatz darstellt und keinesfalls schon die Eigenschaften normaler Haut aufweist. So kann der Narbenbildungsprozess bis zu zwei Jahre andauern, bis sich letztlich die „reife“ Narbe gebildet hat. Dieser fehlt es neben Haaren, Talg- und Schweißdrüsen auch an für die Pigmentbildung verantwortlichen Melanozyten. Dies ist auch der Grund, weshalb Narben immer anders aussehen als normale Haut.

Kosmetische und medizinische Behandlungen

Es gibt eine Vielzahl an Narbenarten. In der täglichen Praxis unterscheidet man hauptsächlich zwischen unreifen, reifen, eingesunkenen (atrophen) Narben, Narbenwucherungen (hypertrophe Narbe) sowie Narbenkeloiden. Optisch können die Narben dabei sehr unterschiedlich aussehen. Die schönste Narbe ist natürlich die, die man nicht sieht. Um Narbengewebe optisch zu kaschieren, stehen uns heutzutage kosmetische Behandlungen zur Verfügung. Wichtig dabei: Je älter die Narbe, umso schwieriger ist es, diese zu behandeln. Zudem muss man wissen, dass Narben nie gänzlich verschwinden werden. Bewährt haben sich chemische Peelingbehandlungen. Auf Basis säurehaltiger Substanzen (diese werden je nach Hautbeschaffenheit und gewünschtem Effekt ausgewählt) werden Teile der obersten Hautschicht, teilweise auch der Dermis, abgelöst, sodass Narben flacher, weicher und weniger sichtbar werden. Dies gelingt aber auch mit anderen oberflächlichen Verfahren, wie der Mikrodermabrasion oder dem Microneedling. Liegt hingegen eine „Problemnarbe“ vor (in Gelenknähe oder bei hypertrophen Narben), kann auch eine medizinische Behandlung erfolgen. Hierfür wird z. B. Kortison eingesetzt, das direkt in die Narbe injiziert wird. Dadurch wird die Produktion von Kollagenfasern gehemmt und die Narbe wird flacher.

Auch Narbenpflege macht Sinn

Bei der Wundheilung unterstützt Panthenol den Heilungsprozess und das Feuchtigkeitsgleichgewicht im Narbengewebe. Zur Wiederherstellung der maximalen Hautelastizität empfehlen sich außerdem natürliche Öle. In der Narbenpflege nimmt zudem Silikon einen hohen Stellenwert ein, das in Form von Cremes oder auch Pflastern aufgetragen werden kann. Auch wenn der Wirkmechanismus hier nicht abschließend geklärt ist, kann damit ein guter Effekt erzielt werden. Da im Narbengewebe pigmentbildende Zellen fehlen, sollte jede frische Narbe unbedingt mit einem hohen Lichtschutz (LSF 50) in den ersten drei Monaten geschützt werden.

Leiden auch Sie unter einer Narbe oder haben Sie noch weitere Fragen zu diesem Thema? Wir im HAUT- UND LASERZENTRUM AN DER OPER freuen uns sehr auf Ihre Kontaktaufnahme.


Dr. med. Christian Merkel

Dr. med. Christian Merkel ist Facharzt für Dermatologie und Allergologie und Ihr Ansprechpartner bei Fragen rund um die Behandlung von Haarausfall.


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